Chronik

Ende 2015

Der Entsorgungshof des Egelsees steht vor seiner Schliesssung. Damit wird nicht zuletzt auf Druck der Anwohnerinnen und Anwohner eine wichtige Lärm- und Verkehrsquelle geschlossen. Stadtgrün Bern lädt zu einem Workshop zur Zwischennutzung des Areals ein. Am Workshop ist die Stadtverwaltung und Organisationen vertreten sowie eine stattliche Anzahl von Gastronomen. Alleine von der Gelateria di Berna kommen gemeinsam mit der CafféBar Sattler vier Personen. Bei den Workshops wird klar, dass viele interessierte Einzelpersonen ortsunkundig sind. Als Vertreterin des AFV und als direkt betroffene Anwohnerinnen ist ab der zweiten Sitzung Yvonne Prieur dabei. Unter anderem wünschen sich die Teilnehmenden einen Cafébetrieb im Aussenbereich des Entsorgungshofes.

Anfang 2016

Nach dem zweiteiligen Workshop organisiert Stadtgrün Bern eine Arbeitsgruppe, die aus den Teilnehmenden der Workshops hervorgeht. Da die Stadtgrün Bern keinen Cafébetrieb führen möchte, soll ein Trägerverein die Koordination übernehmen. Bereits Ende Januar 2016 soll das Auswahlverfahren für ein Café abgeschlossen sein. Deshalb werden die zwei Gastronomiebetriebe sowie ein weiterer eingeladen. Auf eine öffentliche Ausschreibung wird mit einer Gegenstimme von Yvonne Prieur verzichtet. Die Arbeitsgruppe wird zusammen mit QUAV4 und Stadt-Grün die Auswahl bestimmen. Die Betriebskonzepte, die eingereicht werden, sehen bis auf eine Ausnahme einen Barbetrieb bis in die Nacht vor; dieser wird mit wirtschaftlichen Überlegungen begründet. Es wird sich dann für das am kommerziellsten ausgerichtete Konzept der CafféBar Sattler entschieden, welches Schiffscontainer und eine grosse Terasse auf dem Hof aufstellen will. Die Arbeitsgruppe wird in den Trägerverein „Verein am See“ überführt.

März 2016

Der Wahlkampf um das Stadtpräsidentenamt beginnt. Gemeinderätin Ursula Wyss, Stadtgrün Bern und QUAV4 laden zum Start zur Zwischennutzung des Entsorgungshofes Egelsee ein. Ein kritisches Schreiben von Yvonne Prieur an Gemeinderätin Ursula Wyss bleibt unbeantwortet. Die CafféBar Sattler reicht das entsprechende Baugesuch ein. 

Sommer 2016

Die CafféBar Sattler informiert die Anwohnerinnen und Anwohner über den Bau. Er besteht aus einem Neubau, einer Terrasse mit Konsumzwang und einer Terrasse ohne Konsumbereich, welche den Bereich vom Strassenzaun bis zum Uferweg umfassen. Gegner des Vorhabens werden dabei abwertend als "Ballenberner" bezeichnet. Das Baugesuch der CafféBar Sattler wird später von Regierungsstatthalter Christoph Lerch als nicht bewilligungsfähig beurteilt. Es liegt unter anderem in der Gewässerschutzzone, ist zu gross und sei nicht in einem so wichtigen öffentlichen Interesse, dass dafür eine zonenfremde Nutzung bewilligt werden muss, beurteilt Regierungsstatthalter Lerch. 

Herbst 2016

In den Medien werden Test-, Zwischen- und Trendnutzungen in der Stadt Bern kontrovers diskutiert. So kritisiert der SVP-Stadtrat Alexander Feuz: „Die Stadt schafft mit ihren Testnutzungen Tatsachen.“ In den Kommentaren wird das Kaffeetrinken am Egelsee immer mehr als Menschenrecht verkauft. Es entsteht der Eindruck, dass viele dieser Meinungen zum Konsumieren orchestriert sind.

Winter 2017

Das zweite Bauprojekt der CafféBar Sattler wird publiziert. Die Bauprofile werden vergessen. Deshalb muss die Baupublikation am 15. Februar wiederholt werden. Nun wird der Hauptcontainer profiliert. Die Terrasse für 100 Gästeplätze gilt wegen ihrer geringen Höhe nicht als eigenständige Baute, weshalb die zwei anderen Container nicht profiliert werden müssen, bleibt unklar. Somit entsteht für die Nachbarschaft der Eindruck, dass nur ein Schiffscontainer gebaut wird, während nach den Plänen der ganze Platz bebaut werden soll, der nicht in der Gewässerschutzzone liegt. Gegen das Projekt erfolgen 10 Einsprachen, der Angelfischer-Verein Bern, der Schosshalden-Ostring-Murifeld-Leist und der Verein Heit Sorg zu Bärn sowie 7 direkt vom Bauvorhaben betroffene Anwohner und Anwohnerinnen. Die Befürchtungen gelten vor allem dem gefährdeten Gewässerschutz und steigendem Lärm und Verkehr in den Abendstunden.

Frühling 2017

Yvonne Prieur wendet sich mit ihrem Anliegen an Stadtpräsidenten Alec von Graffenried und erhält umgehend eine Antwort.

 

Sehr geehrter Herr Stadtpräsident

 

Die Debatte im Stadtrat konnte ich Donnerstag Abend nicht verfolgen, aber Tatsache ist, dass seit knapp einem Jahr der ehemalige Entsorgungshof bereits zwischengenutzt wird.  Der „Verein am See“ gärtnert dort und bietet Aktivitäten an (vereinamsee.ch) und die Mitarbeitenden der Stadtreinigung parkieren dort ihre Autos unter der Woche. Als Einsprecherin (Anwohnerin) und als Mitglied des Angelfischer-Vereins wehre ich mich gegen eine kommerzielle Nutzung der Caffé Bar Sattler und möchte nicht, dass der Egelsee zur Partyzeile wird. Und es ärgert mich natürlich, dass von der Quartiervertretung Stadtteil IV immer von einem öffentlichen Interesse für einen Café-Restaurant-Bar-Betrieb die Rede ist, obwohl es lediglich Konsumanliegen sind. Es wird eine ausserordentliche Propaganda in dieser Angelegenheit betrieben und jeder vertritt seine Eigeninteressen. In den Arbeitsgruppen der Stadt zur Zwischennutzung waren mehr Vertreter von Gastgewerben dabei als unmittelbare Anwohnerinnen und Anwohner. Auch wir haben uns an die Medien gewandt, um Gehör zu finden. Ich lege Ihnen unsere Einsprachen bei, damit Sie sich ein differenziertes Bild von unserem Anliegen machen können. Leider ist es ja so, dass Einsprechenden pauschal vorgeworfen wird, alles zu verhindern. Deshalb sende ich Ihnen auch den Mailverkehr, aus dem hervorgeht, dass ich von Beginn an meine Bedenken geäussert habe.

 

Ich gehe nach wie vor davon aus, dass eine zonenfremde Nutzung am Egelsee nicht bewilligungsfähig ist und befürworte, dass der Hof für die Öffentlichkeit ohne Konsumzwang zugänglich bleibt. Eine Vision für den stark belasteten See wäre doch, das Gebäude in der Gewässerzone, in dem sich noch die Stadtreinigung befindet, abzureissen. Dem See könnte dort wieder einen natürlicherer Ablauf gegeben werden, damit sich nicht noch mehr Schlick festsetzt. Statt Asphalt könnte wieder Grün spriessen. Bereits heute wird der See von zahlreichen Anwohnerinnen und Anwohnern genutzt. Besonders Jugendliche schätzen, dass sie sich ohne Konsumzwang dort treffen können.

 

Mit freundlichen Grüssen

 

 

Yvonne Prieur

 

 

 

Sehr geehrte Frau Prieur

 

merci für Ihr ausführliches Mail. Vielleicht sollten wir uns einmal mündlich austauschen, da kann man gewisse Dinge besser erklären.

 

In aller Kürze: ich kenne die Situation sehr gut, ich habe einmal an der Muristrasse  gewohnt (Nr. 48) und wohne auch jetzt nicht weit weg (Murifeld). Im Ergebnis sehe ich das ähnlich wie Sie. Der Egelsee soll ein Park werden mit Naturwerten und zur Freizeit/Erholung, und diese Funktion besser wahrnehmen können als bisher. Dafür ist er auf seiner Westseite von den Bauten des Entsorgungshofs zu befreien, hier sollte vom Quartier her der Auftakt erfolgen. Der Seezugang sollte auch auf der Südseite möglich sein. Der Freizeitwert kann durch ein Parkcafé gesteigert werden, dafür könnten mit einer Zwischennutzung Erfahrungen gesammelt werden. Angesichts des hohen Wohnanteils in der Umgebung ist eine Aussenbewirtung nachts sicher nicht opportun. Eine Belebung tagsüber ist aber aus meiner Sicht erwünscht.

Das obere Kirchenfeld/Brunnadern/Gryphenhübeliquartier ist aus historischen Gründen nicht verwöhnt mit Gastrobetrieben und Quartiereinrichtungen. Daher sehe ich eine Nutzung des Areals eher positiv. Eine Verbesserung gegenüber dem einstigen Entsorgungshof und dem heutigen Parkplatz ist jedoch dringend angezeigt und auch leicht möglich.

 

Gerne mehr mal mündlich. 

Freundliche Grüsse

 

Alec v.Graffenried

 

In der Zeitung „Der Bund“ erscheint am 6. Mai 2017 ein Bericht von Bernhard Ott zu Liegenschaften unter dem Titel: „Rot-grüne Klientelwirtschaft. In Bern werden Zwischennutzer wieder mal zu Endnutzern. Das Vorgehen im Fall alte Feuerwehrkaserne ist besonders dreist“. 

Frühsommer 2017

Einigungsverhandlung der Parteien unter Führung von Regierungsstatthalter Lerch. Bei der Reduzierung der Öffnungszeiten wird keine Einigung erzielt. Die Einsprechenden sprechen sich für eine frühe Schliessung am Abend aus, was die CafféBar-Betreiber ablehnen. Auf Vorschlag des Vereins „Heit Sorg zu Bärn“ wird die Variante geprüft, dass die ehemalige Werkstatt des Entsorgungshofes statt eines Containers als CafféBar dient. Gemäss CafféBar Sattler würde auch bei dieser Variante eine Aussenbewirtschaftung mit 50 Plätzen erfolgen. Die Getränke würden im Gebäude geholt werden müssen. Der Grossteil der Einsprechenden zeigt sich skeptisch, da sich der Lärm nicht ins Gebäude verlagern würde.

Regierungsstatthalter Lerch weist auf die Möglichkeit einer befristeten Einzelbewilligung für einen Testlauf hin. So könne etwa für diesen Sommer ein Provisorium errichtet und nach zwei bis drei Monaten wieder abgebaut werden. Lerch macht klar, dass keine Einsprache analog dem Baubewilligungsverfahren möglich sei. Gemeinderätin Ursula Wyss begrüsst die Möglichkeit eines Testlaufs.

 

Die Gastgewerbebetreiber ziehen ihr Baugesuch wegen fehlender Erfolgsaussichten zurück. Die Stadt Bern teilt am 16. Juni der Öffentlichkeit mit, dass Regierungsstatthalter Lerch der CafféBar Sattler eine Bewilligung zum dreimonatigen Testlauf erteilt hat. Zudem habe der Gemeinderat bereits einen Kredit für 61'000 Franken für die baulichen Massnahmen bewilligt. Die neue Gaststätte, die am 30. Juni 2017 öffnet, heisst „Bar au Lac“. Der Name verdeutlicht bereits, an welche Kundschaft das Angebot sich richtet. Stadtgrün Bern lädt die Einsprechenden zum Runden Tisch am 7. Juli 2017 ein.

 

 

Trotz mehrfacher Nachfragen lässt sich der Regierungsstatthalter Lerch Zeit, Fragen nach den rechtlichen Grundlagen dieser Verfügung zu beantworten. Deshalb wird ein Gesuch um Akteneinsicht gestellt: 

 

Trendnutzung „Bar au Lac“ am Egelsee

 

Sehr geehrter Herr Lerch

 

Mit Mail vom 7. Juni 2017 habe ich Sie angefragt, was genau eine befristete Einzelbewilligung für eine Testlauf eines Gastgewerbebetriebes in der Gewässerschutzzone ist und wo ich dazu die gesetzlichen Grundlagen finde. Gestern versuchte ich es telefonisch und per Mail bei Ihnen, wiederum erhielt ich keine Antwort, obwohl Frau Jenni, die das Telefon abnahm, mir versicherte, dass Sie mich zurückrufen werden. Da die Trendnutzung „Bar au Lac“ bereits am 30. Juni 2017 beginnen soll, möchte ich sehr rasch, das heisst innerhalb dieser Woche eine Kopie Ihrer Einzelbewilligung zugestellt haben. Ist Ihnen das nicht möglich, dann teilen Sie mir bitte unverzüglich mit, wann ich diese Woche die Verfügung auf Ihrem Amtssitz einsehen kann (Art. 17 Abs. 3 der Kantonsverfassung).

 

In diesem Zusammenhang habe ich folgende Fragen:

  • Auf welchen gesetzlichen Grundlagen beruht diese Einzelbewilligung für die „Bar au Lac“ und weshalb sollte es nicht möglich sein, diese anzufechten?
  • Kann diese Einzelbewilligung verlängert werden und wenn ja, auf welcher gesetzlichen Grundlage?
  • Kann die Einzelbewilligung von Ihnen für eine Bar jedes Jahr neu periodisch für die Sommermonate erteilt werden?
  • Betreiber dieser Bar ist die CafféBar Sattler. Die Geschäftsführer habe ich kennengelernt, die Eigentümerin hingegen ist den Einsprechenden bis heute nicht bekannt. Dies ist stossend, da das Unternehmen doch besonderen Support der Stadt Bern geniesst und an der Einigungsversammlung die Geschäftsführer z.T. keine Stellung beziehen konnten, ohne Rücksprache mit den Eigentümern. Die CafféBar Sattler verfügt über keinen Handelsregistereintrag, wie es doch für jedes Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 100'000 Franken Pflicht ist (Art. 36 HRegV). Da das Geschäft 200'000 Franken in die Zwischennutzung investieren wollte, gehe ich davon aus, dass ein entsprechender Umsatz vorhanden ist. Ist Ihnen bzw. der Stadt Bern bekannt, wer die eigentliche Eigentümerin der CafféBar Sattler ist?
  • Die Stadt Bern hat die Einsprechenden zu einem Runden Tisch eingeladen. Er ist zur normalen Arbeitszeit und in der Ferienzeit terminiert und deshalb ist davon auszugehen, dass die wenigsten Betroffenen daran teilnehmen können. Was genau soll die Funktion dieses Runden Tisches sein: für eine weitere Trendnutzung, für ein weiteres Baugesuch zur Zwischennutzung oder bereits für eine künftige definitive Nutzung? Ist die Nichtteilnahme mit rechtlichen Nachteilen verbunden?

 

 

Angesichts der Inbetriebnahme der Bar Ende nächster Woche würde es mich freuen, eine rasche Antwort von Ihnen zu erhalten.

Sommer 2017

Der Gemeinderat stellt seine Legislaturrichtlinien 2017 - 2020 vor: "Stadt der Beteiligungen" lautet der Titel und die Bevölkerung wird u.a. aufgerufen, sich öffentlichen Raum anzueignen. Die Berner Zeitung publiziert spöttisch: "Bern, Hauptstadt der Glücklichen?".

Ende Juni publiziert die Stadt Bern ihr Nachnutzungskonzept zum Entsorgungshof Egelsee. Die "Bar au Lac" öffnet ihre Tore und wirtschaftetet drei Monate lang täglich auf dem Areal. Der Platz mutiert zur lärmigen Festwirtschaft und zum erweiterten Wohnraum. Gegen die ausgestellte Festwirtschaftsbewilligung für den Gastgewerbebetrieb wird von uns Beschwerde erhoben. Regierungsrat Christoph Ammann beurteilt diese Bewilligung dann ein halbes Jahr später als rechtswidrig: Wir Beschwerdeführer haben somit Recht bekommen. Regierungsstatthalter Christoph Lerch erhält für die von ihm bewilligte Festwirtschaftsbewilligung von seiner vorgesetzten Behörde schlechte Noten und Anweisungen, wie er seine Aufgabe künftig vorzunehmen hat.

Herbst / Winter 2017/2018

Nachdem die Bar au Lac im Herbst ihre Tore geschlossen hat, machte die Stadt einfach mit der Zwischennutzung weiter: Sie schlisst mit dem Verein am See einen kostenlosen Gebrauchsleihevertrag zur Nutzung des ehemaligen Werkstattraums ab. Damit finden im bundesrechtlich geschützten Gewässerraum weiterhin Veranstaltungen und Drittvermietungen statt, ohne dass der Verein am See die dafür nötigen Bewilligungen einholt.

Die IG Egelsee hat das Buch des Naturforscher Franz von Tavel: "Das Egelmoos bei Bern" aus dem Jahr 1933 publiziert. Darin wird die Einzigartigkeit des Gewässers als Zufluchtsstätte vieler bedrohter Arten beschrieben. Dass der Egelsee und seine Umgebung ein sehr wertvolles Biotop ist, hat uns inzwischen auch die städtische Fachstelle Natur und Ökologie bestätigt.

Im Grundbuchamt hat die IG Egelsee einen unbefristet gültigen 20seitigen Dienstbarkeitsvertrag aus dem Jahr 1909 gefunden und übersetzen lassen. Darin wird die Nutzungsmöglichkeit rund um den Egelsee stark eingeschränkt. So darf zu keinen Zeiten ein lärmendes, übelriechendes oder aussergewöhnlichen Rauch verursachendes Gewerbe auf dem Areal ausgeübt oder geduldet werden kann. Damit soll das landschaftliche Bild der Egelmöösli-Besitzung für immer erhalten bleiben. Die Stadt Bern ist als Grundstückseigentümerin bereits durch das öffentliche Recht stark in ihren Nutzungsmöglichkeiten eingeschränkt; der privatrechtliche 20seitige Dienstbarkeitsvertrag aus dem Jahr 1909 setzt ihr eine weitere Schranke: Lärmiges Gastgewerbe darf nicht betrieben werden.

Wir haben ein 3-Zonen-Konzept zur Nachnutzung des Entsorgungshofes Egelsee als naturverträgliche Alternative zum städtischen Nachnutzungskonzept des Egelsees entworfen. Das Konzept wurde vom Schosshalden-Ostring-Murifeld-Leist (SOML) aufgeschaltet und an der Vereinsversammlung lobend erwähnt.

Frühling 2018

Im Frühling hat uns Stadtpräsident Alec von Graffenried zu Gesprächen zur Nachnutzung des Egelsees und seiner Umgebung eingeladen. Mit dabei waren auch Christopf Schärer (Leiter Stadtgrün) und Sabine Tschäppeler (Leiterin Fachstelle Natur und Ökologie). Der Informationsaustausch wird allgemein von den Teilnehmenden als wertvoll betrachtet. Inwieweit sich die Naturschutz- und Nachbarschafts-Anliegen mit den Wünschen nach einem Gastgewerbebetrieb des Gemeinderates auf dem Areal decken, darüber gehen die Meinungen nach wie vor auseinander. Vor allem ist noch abzuklären:

  • Wie belastet sind das Areal und das Gebäude des ehemaligen Entsorgungshofes (jahrzehntelange Lagerung von Gewerbe- und Privatabfall)?
  • Wie belastet ist der See (3 m. tiefe Schlickschicht mit Müll)?

Die Stadt hat zugesichert, dass sie die entsprechenden Abklärungen vornimmt und ein umfangreiches Inventar über die sehr wertvolle Flora und Fauna des Biotops rund um den Egelsee erstellen lassen will. Das ist sehr zu begrüssen. Wir erwarten im zweiten Halbjahr 2018 die ersten Ergebnisse. Die IG Egelsee wird sich wieder im Mitwirkungsverfahren zur Nachnutzung des Areals konstruktiv für eine Lösung zum Schutz der Natur und der Nachbarn einsetzen.

Nicht erfreulich ist, dass StadtGrün auf dem Gelände des ehemaligen Entsorgungshofes in wochenlanger Bauarbeit mit Baggern Schächte für Kabel bauen und zwei Beleuchtungen ohne Baubewilligung erstellen lässt. Unsere baupolizeiliche Anzeige bei der Baukontrolle hat dazu geführt, dass die Stadt die Leuchten erst in Betrieb nehmen darf, wenn sie über die entsprechende Baubewilligung verfügt. Für uns sind die Leuchten als störende Lichtimmissionen für Flora und Fauna in der Einflugschneise der Fledermäuse einzuschätzen, die zugleich auch das Erscheinungsbild des Ortes unvorteilhaft verändern.

Die Stadt hat angekündigt, dass sie der privaten Gagarin GmbH (Betreiberin der Bar au Lac) mit fast 240’000 Franken Steuergeldern den Betrieb am Egelsee ermöglichen will. Wir fragen uns, weshalb ein bestimmtes kommerzielles Gastgewerbe eine derartige städtische Vorzugsbehandlung erfährt? Falls das Baugesuch durchkommen würde, was wir bezweifeln, wird viel Geld und Energie in das marode und baulich ungeeignete Gebäude gesteckt. Durch so ein Vorgehen schränkt sich die Stadt bei der Gestaltung der Nachnutzung ein, denn ein sinnvoller Neubau als Alternative käme bei so hohen Investitionen dann kaum mehr in Frage. Wir befürworten, dass aus dem ganzen Areal (mit Gebäude) ein Grünraum für ALLE wird, insbesondere, da die Stadt nun plant, die Familiengärten an der Egelgasse zu überbauen. So könnte ein Ausgleich an verlorenem Grünraum geschaffen würde. Ein Kompromiss könnte auch ein Neubau sein, der den Gewässerraum respektieren würde.

Mit zwei Vorlagen will sich die Stadt nun die rechtlichen Grundlagen schaffen, die auch die kommerzielle Nutzung des Egelsee-Areals erleichtern soll:

Wir vertreten die Ansicht, dass die städtischen Revisionsvorhaben gegen übergeordnetes Recht verstossen, vgl. Mitwirkung zum Gewässerraumplan und zur Zwischennutzung.

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Mitwirkung zur Änderung der Bauordnung: betreffs Zwischennutzung
18_06_06_Vernehmlassung - i.S. Zwischenn
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Vernehmlassung Gewässerraum (Egelsee)
Vernehmlassung - i.S. Gewässerraum - St
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