Städtischer Gewässerraumplan politisch motiviert?

Das Ufer zwischen dem ehemaligen Bootshaus und dem ehemaligen Entsorgungshof, die über 50 m. voneinander entfernt liegen (rechte Seite), soll gemäss Stadtregierung als "dicht bebaut" eingestuft werden.

 

Einsprache gegen aufgelegten Gewässerplan

Gegen den aufgelegten Gewässerraumplan i.Z. mit der Teilrevision der Bauordnung vom 24. September 2006 der Stadt erheben Mitglieder der IG Egelsee Einsprache, da sie nicht der gesetzlichen Umsetzung des eidgenössischen Gewässerschutzgesetzes und dem kantonalen Wasserbaugesetzes entsprechen. Wir setzen uns als  Anwohner, Naturinteressierte, Quartierbewohn, Stadtbewohner   für die korrekte Übernahme des bundesrechtlichen Gewässerschutzverordnung und der kantonalen Erlasse in die städtische Bauordnung ein. Der Egelsee soll am gesamten Ufer einen mindestens 15 Meter breiten Gewässerraum erhalten. 

Rechtsbegehren

Einige Entscheide zum Gewässerraumplan sind nicht zuletzt aufgrund der behördlichen Maulkorb-Politik noch immer nicht nachvollziehbar, deshalb stellen wir folgende Rechtsbegehren:

  1. Zwischen dem ehemaligen Entsorgungshof und der Leisthütte vom SOML erhält der Egelsee eine mindestens 15 m. breite Gewässerzone. Es wird kein Uferbereich vom Gewässerraum als „dicht bebaut“ ausgeschieden.
  2. Die Spazierwege rund um den Egelsee durchkreuzen die Gewässerzone, deshalb ist der Gewässerplan zu überarbeiten: 15 m. Breite + Wegbreite. In den Plan ist die Gewässerzone genauer einzutragen, auch dort, wo sie Privatgrundstücke umfasst.
  3. Am Ufer, wo sich das besonders eingezäunte Schutzgebiet befindet, sind die 15 m. Breite auf das erforderliche Mass auszudehnen. Dieses Gebiet befindet sich im Austausch mit den Familiengärten, d.h. die dort lebenden Kröten und Unken benötigen den See als Laichplatz und die dort gehegten Pflanzen sind Insektenfutter, welche wiederum den Amphibien als Futter dienen. Die Familiengärten gehören zum Egelmöösli und bilden einen gemeinsamen Lebensraum. 
  4. Der belastete Entsorgungshof ist abzureissen und der belastete Boden ist zu sanieren und zu renaturalisieren. 

 

Erwägungen

Gewässerraum dicht überbaut?

Dieser Uferabschnitt wird von der Stadtregierung als "dicht überbaut" eingestuft.

 

Zu den natürlichen Funktionen des Gewässers gehören insbesondere ... die Ausbildung einer naturnahen Strukturvielfalt in den aquatischen, amphibischen und terrestrischen Lebensräumen, die Entwicklung standorttypischer Lebensgemeinschaften, die dynamische Entwicklung des Gewässers und die Vernetzung der Lebensräume. Der Gewässserraum ist ein wichtiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen und dient zugleich der Vernetzung von Lebensräumen. Er ist ein wichtiges Element der Kulturlandschaft und Erholungsraum für die Bevölkerung (BGE 140 II 431 E. 2.1 m.w.H.). Für stehende Gewässer muss die Breite, gemessen ab Uferlinie, mindestens 15 m. betragen (Art. 41b Abs. 1 Gewässerschutzverordnung [GSchV]; SR 814.201). Die Breite dieses Gewässerschutzraumes muss sogar erhöht werden, wenn sie für eine Revitalisierung oder für überwiegende Interessen des Natur- und Landschaftsraums erforderlich ist (Art. 41b Abs. 2 Bst. b und c GSchV). 

Der Gewässerraum muss extensiv gestaltet und bewirtschaftet werden (Art. 36a Abs. 3 Gewässerschutzgesetz [GSchG]; SR 814.20 i.V.m. Art. 41b Abs. 3 und 4 GschV).  Auf die Festlegung des Gewässerraums kann gemäss Art. 41b Abs. 4 GSchV unter gewissen Voraussetzungen verzichtet werden, was jedoch beim Egelsee nicht der Fall ist, da er ein natürlicher Kleinsee ist, eine Wasserfläche von 1.52 ha hat  und sich auch nicht im Wald befindet. 

Somit käme als Eventualausnahme allenfalls nur Art. 41b Abs. 3 GSchV in Betracht, gemäss dem wo die Breite des Gewässerraums in dicht überbauten Gebieten den baulichen Gegebenheiten angepasst werden kann, soweit der Schutz vor Hochwasser gewährleistet ist. Das Bundesamt für Raumentwicklung hat mit dem Bundesamt für Umwelt BAFU ein Merkblatt vom 18. Januar 2013 zur Anwendung des Begriffs „dicht überbaute Gebiete“ der Gewässerschutzverordnung entwickelt (im Folgenden: Merkblatt). Der Begriff „dicht überbautes Gebiet“ ist ein Begriff der GSchV und damit des Bundesrechts, der bundesweit einheitlich auszulegen ist. Der unbestimmte Rechtsbegriff der „dicht überbauten Gebiete“ lässt den Kantonen Spielraum bei der Umsetzung der Bestimmungen zum Gewässerraum im Siedlungsgebiet. Dies bietet den Kantonen die Möglichkeit, auf unterschiedliche Verhältnisse einzugehen. Dies hat der Kanton Bern in Art. 11 des Baugesetzes (BauG; BSG 721.0) gemacht. Sinn und Zweck der Ausnahmeregelungen im „dicht überbauten Gebiet“ ist somit, dass Siedlungsgebiete verdichtet und Baulücken genutzt werden können, sofern das Interesse an der Nutzung überwiegt. Es soll dort eine Ausnahme von Mindestbreiten ermöglicht werden, wo der Gewässerraum die natürlichen Funktionen auch auf lange Sicht nicht erfüllen kann (S. 3 Merkblatt). 

Beim Begriff „dicht überbautes Gebiet“ gemäss GSchV“ liegt der Fokus auf dem Land entlang dem Gewässer, dies im Gegensatz zum Begriff „weitgehend überbautes Gebiet“ nach dem Raumplanungsrecht, wo der Fokus auf dem Siedlungsgebiet als Ganzem liegt ( (S. 4 Merkblatt, BGE 140 II 433 E. 3.4 und E. 7).

Die Kriterien zur Bestimmung dicht überbauter Gebiete sind: 

  • Zentrums- oder Kernzonen zur Wohn-, Arbeits-, öffentlicher oder Konsumnutzung oder 
  • Entwicklungsschwerpunkte, die zur Siedlungsentwicklung nach innen dienen (z.B. Verdichtung).

 

Die Kriterien für nicht dicht überbaute Gebiete sind:

  • Bedeutende Grünräume oder
  • Gewässerabschnitte mit ökologischer oder landschaftlicher Bedeutung im Ist-Zustand.
  • Gewässerabschnitte mit voraussichtlich ökologischer oder landwirtschaftlicher Bedeutung im künftigen Zustand, nach getroffenen Aufwertungsmassnahmen (S. 4 ff. Merkblatt). 

 

Als vorrangiger siedlungsprägender Grünraum ist der Egelsee namentlich aufgelistet im Inventar der Regionalkonferenz Bern Mittelland und gehört damit zum grünen Band, das mit besonderen Massnahmen zu schützen ist.  In den Jahren 1996 und 1998/99 wurde er in zwei Etappen aufwändig saniert, um zusätzlichen Lebensraum für Tiere und Pflanzen zu schaffen. 

Das fragliche Gebiet liegt in der Zone für öffentliche Nutzungen Freifläche A. Deren generelle Zweckbeschreibung ist sehr weit gefasst und kann eine Vielzahl unterschiedlicher Nutzungen umfassen. Sinn und Zweck der Ausnahmeregelungen im „dicht überbauten Gebiet“ ist, dass Siedlungsgebiete verdichtet und Baulücken genutzt werden können, sofern das Interesse an der Nutzung überwiegt. Die Siedlungsentwicklung nach innen soll somit nicht verhindert werden. Es soll dort eine Ausnahme von den Mindestbreiten ermöglicht werden, wo der Gewässerraum die natürlichen Funktionen auch auf lange Sicht nicht erfüllen kann. In vielen Siedlungsräumen sind die Raumverhältnisse entlang der Gewässer so eingeschränkt, dass es Sinn macht, dort, wo Lücken in den Gebäudezeilen bestehen, den Gewässerraum den baulichen Gegebenheiten anzupassen, da die Raumverhältnisse für das Gewässer ohnehin beengt blieben.  

Zwischen den zwei einzelnen Gebäuden ist ein über 50 m. langer Uferstreifen, der nur mit viel Fantasie als „dicht überbaut“ bezeichnet werden kann. Festzuhalten ist, dass die von der Stadt geplanten Quartier- und Kleingewerbetreffpunkte rund um den Egelsee auch an anderen Orten realisiert werden können als im Gewässerraum. Die Zweckbestimmung für die Zone für öffentliche Nutzungen Freifläche A wurde inzwischen von der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern vom 15. August 2019 wie folgt beschrieben: Er wurde 1945 zu einem Werkschuppen für das städtische Tiefbauamt gebaut und diente von 1992 bis 2015 als Entsorgungshof der Stadt Bern. Gastgewerbebetriebe, wie die Stadt es an diesem Standort vorhat, können nicht unter  die Zweckbestimmung „Werkhof“ subsumiert werden.  Der ehemalige Entsorgungshof der Stadt Bern hat Besitzstandsgarantie. 

Seit Juni 2019 sind die Ergebnisse der Untersuchung bekannt. Bis heute hat die Stadt Bern nicht darüber informiert. Inoffiziell weiss man, dass der ehemalige Entsorgungshof nur mit sehr hohen Investitionen saniert werden kann. 

 

Das ehemalige Bootshaus, welches rund 100jährig ist, hat Bestandesgarantie. Das Haus ist ein Quartiertreff, welcher vom Schosshalden-Ostring-Murifeld-Leist (SOML) mit einem Vereinscafé betrieben wird. Gemäss Dienstbarkeitsvertrag darf der Bau nicht erweitert und vergrössert werden und es dürfen keine Wohnungen eingebaut werden. Das Haus ist in gutem Stande zu erhalten und gehörig zu unterhalten. Es darf aber auch abgebrochen und entfernt werden.

Die Einsprechenden wollen keinen Abriss des ehemaligen Bootshauses. Es ist ein Quartiertreffpunkt, der sehr beliebt bei verschiedenen Generationen und unterschiedlichen sozialen Schichten ist. Die ehrenamtlich tätigen Betreiber sorgen für Sozialkontrolle am See. Die Leisthütte des SOML wird oft wochenlang unterspült, wenn das Gewässer im Frühling und Frühsommer regelmässig nach starken Regenfällen über die Ufer tritt. Diese Tatsache ist allgemein bekannt, da auch der Abfluss dann gar nicht das Wasser ableiten kann, welches aus verschiedenen Zuflüssen in den See fliesst. 

 

Im Frühling und Frühsommer wird es nass.

 

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass beide Gebäude problemlos abgerissen werden könnten. Der Betonboden des Areals könnte entfernt werden, saniert und wieder renaturiert werden. Somit ist das Argument für eine Ausnahmebestimmung hinfällig, welches vorsieht: .“..wo der  Gewässerraum die natürlichen Funktionen auch auf lange Sicht nicht erfüllen kann.“ Denn gerade zum heutigen Zeitpunkt besteht für die Stadt die einmalige Chance, den Egelsee als einzigen natürlichen Kleinsee auf Stadtgebiet wieder zu renaturieren und von seinen Altlasten zu befreien. Dafür wird eine grössere Ausweitung des Gewässerraums benötigt als 15 Meter Breite. Der Grund für die Einstufung als „dicht überbaut“ ist politischer Natur und damit verstösst er bereits gegen die korrekte Umsetzung des Gewässerschutzes. Die Stadt will hier einen zweiten Quartiertreff, nur gut 50 m. neben dem Quartiertreff des SOML gelegen,  am Egelsee mit Restaurant- und Barbetrieb als „Begegnungsort“ initiieren. Aus einem natürlichen See soll ein künstlicher Stadtteilpark werden. Auch wird verschwiegen, dass das politische Geschäft in der Quartierkommission stark umstritten war.

 

Vermessungen

Die Abmessungen in den aufgelegten Plänen sind u.E. unsorgfältig vorgenommen worden. Sind das wirklich 15 Meter Gewässerabstand? Beinhalten sie die Wege und Strassen? Durchqueren Wege und Strassen das Gebiet, dann erweitert sich das Gebiet um diese Breiten. Dies wurde zumindest anschaulich vom Stadtplanungsamt im Vorfeld der Mitwirkung erläutert. 

Interessensabwägung

Selbst wenn das Gebiet als „dicht überbaut“ eingestuft werden könnte, müsste die Stadt für eine Ausnahme von der bundesrechtlich vorgeschriebenen Gewässerschutzzone eine Abwägung der öffentlichen Interessen vornehmen, da es sich beim Egelsee um ein ökologisch äusserst wertvolles Gebiet handelt. Der Egelsee ist ein Flachgewässer und seine tiefste Stelle ist beim Anglersteg. Im Hitzesommer ist dieses Gebiet ein lebenswichtiger Rückzugsort für die hitzegeplagten gestressten Fische. 

Die Feuerwehr lässt kühles Frischwasser ein, nachdem die Wassertemperaturen im Sommer 2018 für die Wasserbewohner lebensgefährlich hoch angestiegen sind.

Dienstbarkeitsvertrag

Der Egelsee und seine Umgebung sind durch ihr reiches ökologisches Potential bekannt.  Bereits vor über hundert Jahren wurde ein entsprechender Dienstbarkeitsvertrag abgeschlossen. Diese heute noch gültigen Dienstbarkeiten zur Erhaltung des landschaftlichen Bildes der Egelmööslibesitzung und dem Erhalt der Wasserfläche sind explizit zum Schutz der Landschaft, der Umwelt und des Gewässerschutzes erlassen worden (vgl. BGE 134 III 341). Neben den betroffenen privaten Grundstückbesitzern waren auch die Einwohnergemeinde der Stadt Bern sowie die Burgergemeinde vor über hundert Jahren daran interessiert, den See und seine Umgebung mit einem 20seitigen Dienstbarkeitsvertrag zu schützen, indem sich die Grundstücksbesitzer rund um den Egelsee zum Gewässerschutz verpflichteten, explizit zu nennen sind: Bau-, Gewerbe- Nutzungsbeschränkungen und Reinhalteverpflichtungen.

Die Stadt geht davon aus, dass privatrechtliche Dienstbarkeitsverträge nicht Gegenstand der öffentlich-rechtlichen Festlegung des Gewässerraums sind. Wir gehen davon aus, dass dieser Rechtsauffassung nicht gefolgt werden kann: Dieser Dienstbarkeitsvertrag wurde abgeschlossen, bevor das öffentliche Recht den Gewässerschutz regulierte. Er kann aus historischer als Sicht als örtlicher Vorläufer des Gewässerschutzes betrachtet werden. Da der Schutzbereich des Egelsees im Dienstleistungsvertrag vor über hundert Jahren teilweise restriktiver als im heutigen Gewässerschutz ausgestaltet wurde, ist er durchaus in die historische und teleologische (rechtliche) Auslegung zum örtlichen Gewässerschutz einzubeziehen, zumal er zeitlich unbegrenzt gilt.  

Am 19. Januar 2001 schrieb der Gemeinderat unter dem Titel „In der Stadt Bern sollen die ökologisch wertvollsten Naturareale gesichert werden“:

(Auszug) Die Stadt Bern macht einen weiteren Schritt Richtung wirtschaftliche Ökostadt. Der Gemeinderat hat in seinem Beschluss vom 13. Dezember 2000 einen Schwerpunkt auf „Öko“ gelegt, indem er die Direktion für Hochbau, Stadtgrün und Energie beauftragte, die wertvollsten Naturareale auf Stadtgebiet als Naturschutzgebiete auszuscheiden und die nötigen Grundlagen für eine Teilrevision des Nutzungszonenplans zu erarbeiten.

 

Seit Jahren fordern naturbewusste Einwohnerinnen und Einwohner den Schutz wertvoller Naturareale in der Stadt, beispielsweise für das Mündungsdelta des Gäbelbach oder für den Egelsee und dies nicht ohne Grund: Ökologisch vielfältige Naturareale in der Stadt sind wichtige Refugien für Tiere und Pflanzen. Wegen ihres naturnahen, ja manchmal urtümlichen Charakters stillen sie auch die Bedürfnisse der Stadtmenschen an die Erholung in freier Natur und leisten damit einen oft unterschätzten Beitrag an ein attraktives Wohnumfeld. Doch wie alle städtischen Grünanlagen müssen auch Naturareale unterhalten und ihre Tiere und Pflanzen vor schädlichen Erholungsaktivitäten und Eingriffen - beispielsweise Bauten - geschützt werden. 

Nun hat der Gemeinderat die Stadtgärtnerei als für Naturschutzbelange zuständige Verwaltungsabteilung mit der Erarbeitung der Grundlagen für eine Teilrevision des Nutzungszonenplans betraut. Sie wird diesen Auftrag unter der neuen Direktion für Hochbau, Stadtgrün und Energie, HSE, ausführen und unter Anderem die Grenzen für folgende künftige Naturschutzgebiete festlegen: Gäbelbach-Mündungsdelta, Egelsee (Osthälfte), Jorden (Weiher und Feuchtgebiet), Tongrube Rehhag, Aargauerstalden und Lehrgarten Lehrer- und Lehrerinnenseminar Marzili (Feuchtgebiet). In diesen Gebieten soll künftig die Natur vorrangige Bedeutung haben, jedoch unter Einbezug der Menschen. Die wertvollsten Lebensräume für Tiere und Pflanzen sollen als Kernräume von der Erholungsnutzung ausgenommen, die anderen Bereiche jedoch interessierten Besucherinnen und Besuchern näher gebracht werden, z. B. mit Führungen, Informationstafeln und Lehrpfaden.

Biodiversität - heutige Situation

Doch wie sieht die heutige Situation am Egelsee aus? Wir wissen es grösstenteils nicht. Es fehlt eine aktuelle wissenschaftliche Bestandesaufnahme über die vorhandene Flora und Fauna. Was wir wissen ist, dass die Artenvielfalt des Sees höher ist als in anderen Stadtgebieten. Der Egelsee verfügt über einen ausserordentlich vielseitigen Fischbestand wie Hecht, Karpfen, Schleie, Wels, Egli, Brachsmen, Rotfedern und weitere Kleinfische sowie Krebse, die auf Pflanzen und Insekten als Nahrung angewiesen sind. Neben Fischen sind zahlreiche andere (teils gefährdete /bedrohte) Tierarten am Moränengewässer heimisch wie Libellen, Vögel wie Schwanzmeisen, Gartenrotschwanz (bedroht), Baumläufer, verschiedene Spechtarten, Dompfaffen, Teichrohrsänger, Kleiber, Mönchsgrasmücken, Eichhörnchen, Fledermäuse, Erdkröten, Unken, Gras- und Wasserfrösche sowie Molche. Wintergäste sind Gänsesäger und im Sommer jagen Mauer- und Alpensegler über den Egelsee nach Insekten.

Dieser Grasfrosch lebt am Ufer des Egelsees.

Der See ist Teil eines Netzwerks von unterschiedlichen kleinen Grün- und Wasserflächen. Vögel, die beispielsweise von der Elfenau her über das Stadtgebiet ziehen, können in der Vegetation rasten, die um den Egelsee gedeiht. Zudem finden sie Nahrung, da dank des Wassers der Insektenreichtum hoch ist. Gerade in der Brut- und Aufzuchtphase benötigen die meisten Vogelarten einen hohen Anteil an Insekten, um ihre Nachzucht aufzubringen. Es ist bekannt, dass in den letzten Jahren die Insekten bedroht sind (bis zu 76 Prozent Abnahme). Das Verschwinden der Insekten ist eine Bedrohung für die Ökosysteme. Zahlreiche Pflanzen- und Tierarten überleben nur dank Insekten. Eine Mehrheit der Pflanzen ist auf die Bestäubung durch diese angewiesen. Was macht die Direktion für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün unter Gemeinderätin Ursula Wyss? Sie lässt illegal insektenzerstörende Leuchten am Egelsee bauen. Diese wären längst abzureissen, auch eine gesetzliche Pflicht, welche die Stadt nicht erfüllt.

Neben Fischen und Vögeln ist vor allem auf die Fledermäuse hinzuweisen. Es befindet sich eine grosse Kolonie von Fledermäusen im Privatpark an der Muristrasse, welche auf den Egelsee dringend zur ungestörten Nahrungsaufnahme angewiesen sind. Auch hier ist ein Rückgang der Fledermäuse in den letzten zwei Jahren zu beobachten.

Eine Vielzahl von Libellenarten ist am Egelsee heimisch. Ob es noch 17 Arten von Libellen gibt, wie einst der Naturforscher Franz von Tavel in seinem Inventar festhielt, muss bezweifelt werden. Jedoch sind der See und seine Ufer nach wie vor von unterschiedlichen Arten von Libellen in bedeutender Anzahl bewohnt, die auch in die Wohnquartiere rund um den See ausschwärmen. Leider ist in den letzten zwei/drei Jahren ein starker Rückzug der Libellen zu beobachten

Eine Libelle sonnt sich auf dem Steg am Egelsee.

 

Die gelbe Schwertlilie ist bekanntlich geschützt und wird leider im Uferbereich zum Teil von den Binsen zurückgedrängt, welche die Stadtgärtnerei dort angepflanzt hat, obwohl sie nicht heimisch ist.

Es ist gut, dass der See für die Allgemeinheit zugänglich ist und sogar Ruhebänke hat, die zum Verweilen einladen. Ein dauernder Restaurationsbetrieb, der gerade in der wärmeren Jahreszeit stattfindet, ist für Vögel, Fledermäuse, Fische und Amphibien störend. Der See ist zu klein, als dass sich die Tiere zurückziehen könnten. Laute Musik und Unruhe durch Menschenansammlungen (Begegnungsraum) stören Brutvögel, Fledermäuse, Fische und Amphibien. Es wäre hilfreich, wenn ein Teil des Uferbereichs gegenüber Menschen, Füchse, Marder, Hunde und Katzen abgesperrt würde. Die Säugetiere könnten, wie das in Zoologischen Gärten üblich ist, mit einem entsprechenden Elektrozaun vom Zugang abgehalten werden. So hätten gerade Wasservögel einen sehr wichtigen Rückzugsort. 

Hinzuweisen ist darauf, dass seit zwei Jahren von den Anwohnern vermehrt Littering, Sprayereien und Drogenhandel beobachtet werden; dies hat neben den Anwohnern auch der Schosshalden-Ostring-Murifeld-Leist in seinem Jahresbericht 2017 thematisiert. 

Auf dem Areal des ehemaligen Entsorgungshofes wurde jahrzehntelang Haus- und Gewerbemüll gelagert, im Entsorgungshof selbst Sondermüll. Auf dem Seeboden befindet sich eine vom Menschen verursachte meterhohe Schlackschicht. Eine Sanierung des Sees und seines Ufergebiets (Boden, Gebäude) zur Revitalisierung des Gewässers wäre dringend angebracht.

Die Stadt plant zudem in unmittelbarer Nähe zum See einen grossen Schulkomplex mit Sportanlagen. Dadurch würde das Areal rund um den Egelsee als Schulweg und Freizeitort für Schülerinnen und Schüler einem erhöhten Druck ausgesetzt werden. Zusammenfassend würde der Egelsee zu einem Unruheort werden, der dem Schutzziel von Art. 38 Abs. 2 Bst. a GschG zu wieder laufen würde: dass Gewässer so gestaltet werden müssen, dass sie einer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt als Lebensraum dienen können.

Angesichts der Baupläne der Stadt zum Teilzeitpark wäre es wünschenswert, wenn dieser Plan durch unabhängige Gutachten beurteilt würden, da die Stadt durch ihr bisheriges Handeln am Egelsee an Vertrauen eingebüsst hat (vgl. Entscheid der Volkswirtschaftsdirektion vom 29.1.2018 unter https://www.ig-egelsee.ch/2018/01/29/gastwirtschaft-bar-au-lac-am-egelsee-war-ungültig/; Café Komod usw.). 

Schlussbemerkungen

Aus obigen Ausführungen ergibt sich, dass das Gebiet zwischen ehemaligen Entsorgungshof und Leisthütte nicht als „dicht überbaut“ gelten kann. Es ist ein grosszügiger – 15 m. übersteigender – Gewässerraum festzulegen und der Ort ist zu revitalisieren. In diesem sind jegliche nicht standortgebundenen neuen Bauten, Anlagen, Einrichtungen und Nutzungen (Nutzungen, wie zum Beispiel der Betrieb Bar au Lac, von der Stadt geplante Quartier- und Kleingewerbetreffpunkte etc.) untersagt. Der Egelsee und den um ihn herum zu ziehende grosszügige Gewässerraum soll als Naherholungsgebiet aufgewertet und dementsprechend saniert und stark durchgrünt werden. Der Zugang der Bevölkerung zum Egelsee soll wie bisher gewährleistet werden, doch sollen sich die Aufenthaltsmöglichkeiten auf die bisherigen jahrzehntelang bewährten Möglichkeiten, das Ufer zu begehen, auf einer Bank zu ruhen, im Winter auf dem Eis Schlittschuh zu laufen sowie auf die Aktivitäten des Schosshalden-Ostring- Murifeld-Leist als bereits bestehendes Quartierzentrum und des Angelfischer-Vereins Bern beschränken.